Blaugrüne Mosaikjungfer ist Gartentier 2019

Blaugrüne Mosaikjungfer Gartentier 2019
Ein MĂ€nnchen der BlaugrĂŒnen Mosaikjungfer ruht sich von der rastlosen Patrouille entlang eines Teiches aus. Copyright: Andreas Thomas Hein / libellenwissen.de ///

Patrouille am Gartenteich: BlaugrĂŒne Mosaikjungfer ist Gartentier des Jahres 2019. Heinz Sielmann Stiftung gibt den Gewinner der neunten Publikumsabstimmung bekannt. 

Die BlaugrĂŒne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) wurde von 1.033 Naturfreunden zum Gartentier des Jahres 2019 gewĂ€hlt. Zwischen dem 4. April und 26. Mai konnte online fĂŒr einen von sechs Gartenbewohnern abgestimmt werden. Insgesamt gaben knapp 3.100 Interessierte ihre Stimme ab. In diesem Jahr standen sechs Teichbewohner zur Wahl. Mit der Aktion möchte die Heinz Sielmann Stiftung auf den dramatischen RĂŒckgang der biologischen Vielfalt in unserer Kulturlandschaft hinweisen. Mit 33,4 % der Stimmen lag die BlaugrĂŒne Mosaikjungfer, eine der hĂ€ufigsten Großlibellen in Deutschland, klar vor den anderen Kandidaten. Den zweiten Platz belegte mit 21,56 % der Stimmen die Erdkröte (Bufo bufo), dicht gefolgt vom Teichmolch (Lissotriton vulgaris), der knapp 19,51 % der Stimmen bekam.

Das Gartentier des Jahres 2019 gehört zur Familie der Edellibellen. Mit einer KörperlĂ€nge von bis zu acht Zentimetern und einer FlĂŒgelspannweite von bis zu elf Zentimetern gehört die Art zu den grĂ¶ĂŸten Libellen. Die BlaugrĂŒne Mosaikjungfer ist gut an den ovalen, grĂŒn gefĂ€rbten Flecken auf dem RĂŒcken zu erkennen. Auf dem schwarzen Hinterleib der MĂ€nnchen sind oberseits grĂŒne oder blaue Flecken sehr charakteristisch angeordnet. Bei den Weibchen sind alle Flecken braunschwarz-grĂŒn.

Riesenlibellen schon vor Millionen Jahren auf der Erde

Libellen sind echte Urviecher. Die Ă€ltesten Vorfahren der heutigen Arten umschwirrten schon im Karbon vor 358 bis 298 Millionen Jahren die SumpfwĂ€lder, die heute als Steinkohle abgebaut werden. Dabei waren diese Vertreter deutlich grĂ¶ĂŸer. Fossilien belegen FlĂŒgelspannweiten bis zu 72 Zentimeter. Der Körperbau und die Lebensweise der Libellen haben sich in den letzten 150 Millionen Jahren kaum noch verĂ€ndert. Libellen sind eine Erfolgsgeschichte der Evolution, die den Luftakrobaten gleich mehrere erstaunliche FĂ€higkeiten mit auf den Weg gegeben hat.

30.000 Augen entgeht nichts

Die großen Facettenaugen bestehen aus bis zu 30.000 Einzelaugen. Auf der Kopfoberseite liegen zusĂ€tzlich drei kleine Punktaugen, die als Gleichgewichtsorgan schnelle Flugbewegungen koordinieren können.

Die BlaugrĂŒne Mosaikjungfer ist ein geschickter JĂ€ger. Sie fĂ€ngt ihre Beute im Flug. MĂŒcken, Fliegen und anderen Fluginsekten, manchmal auch anderen Libellen, stehen auf ihrem Speiseplan. Entlang des Gartenteichs, aber auch weiter entfernt auf Wiesen und an WaldrĂ€ndern ist sie aktiv unterwegs, auf der Suche nach der nĂ€chsten Mahlzeit. Zur Paarungszeit patrouillieren die MĂ€nnchen entlang des GewĂ€ssers. Sie bleiben hĂ€ufig im Flug in der Luft stehen, um nach Weibchen Ausschau zu halten. Und Libellen haben noch eine erstaunliche FĂ€higkeit. Dank der unabhĂ€ngigen Anordnung der vier FlĂŒgel, können sie sogar rĂŒckwĂ€rts fliegen. Vor allem bei RevierkĂ€mpfen unter den MĂ€nnchen ist diese Eigenschaft nĂŒtzlich.

Detail - Den Komplexaugen mit den bis zu 30.000 Einzelaugen der Libelle entgeht nichts. Copyright: Dr. Hannes Petrischak / Heinz Sielmann Stiftung
Detail - Den Komplexaugen mit den bis zu 30.000 Einzelaugen der Libelle entgeht nichts. Copyright: Dr. Hannes Petrischak / Heinz Sielmann Stiftung

Libellen stechen nicht

HartnĂ€ckig hĂ€lt sich das GerĂŒcht, Libellen wĂŒrden stechen. Sie sind völlig harmlos und besitzen keinen Stachel. Allerdings sind einige Arten recht neugierig und umkreisen Menschen oder Objekte, um sie von allen Seiten betrachten zu können. Dabei verharren Sie oft im Flug oder Ă€ndern abrupt die Richtung.

Botschafter fĂŒr gefĂ€hrdete Libellenarten

Von den 79 heimischen Libellenarten werden 35 Spezies auf der Roten Liste der gefĂ€hrdeten Insekten aufgefĂŒhrt. Das Gartentier des Jahres 2019 steht noch nicht auf der Roten Liste. Denn die BlaugrĂŒne Mosaikjungfer ist eher genĂŒgsam. Den Großteil ihres Lebens verbringt sie nicht als Fluginsekt. Die Larven leben bis zu drei Jahre lang im Wasser, bevor sie sich in die schillernde Libelle verwandeln. Sie tolerieren auch Sauerstoffmangel und Frost. Selten gelingt die Entwicklung der Larve zur Libelle sogar in Regentonnen. Die AnsprĂŒche an die GewĂ€sserqualitĂ€t und -Struktur sind nicht sehr hoch. Dennoch ist diese hĂ€ufige Libelle Botschafter fĂŒr ihre gefĂ€hrdeten Artgenossen.

Jeder kann etwas fĂŒr die Artenvielfalt tun

Jeder Gartenfreund kann selbst etwas fĂŒr das Gartentier des Jahres und all seine wasserbewohnenden Kollegen tun. Nora KĂŒnkler, Biologin bei der Heinz Sielmann Stiftung, erklĂ€rt: „Der aktuelle Bericht des WeltbiodiversitĂ€tsrates zeigt, dass wir auf einen dramatischen Wendepunkt zusteuern, wenn wir den Verlust der Artenvielfalt nicht jetzt aufhalten. Jeder zweite Haushalt besitzt einen Garten, das sind etwa 20 Millionen GĂ€rten in Deutschland. Allein alle KleingĂ€rten, etwa eine Million insgesamt, bedecken eine GesamtflĂ€che von 40.000 Hektar.  GĂ€rten haben eine wichtige Funktion als ErsatzlebensrĂ€ume und Trittsteine fĂŒr Tier- und Pflanzenarten. GĂ€rtner mĂŒssen sich ihrer Verantwortung fĂŒr den Artenschutz bewusst sein. Mit einer naturnahen Gestaltung können sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.“ Im naturnahen Garten sollte auf Insektizide, Pflanzenschutzmittel und chemische DĂŒnger verzichtet werden. Durch die kluge Kombination von Pflanzenarten lĂ€sst sich die natĂŒrliche Abwehr stĂ€rken. Wilde Ecken im Garten bieten Nahrung und RĂŒckzugsrĂ€ume fĂŒr Tiere. Totholzstapel etwa werden zum Winterquartier fĂŒr Erdkröte oder Igel. Blumenwiesen statt Golfrasen locken NĂŒtzlinge wie Schmetterlinge, KĂ€fer oder Hummeln in den Garten und bedeuten Zeitersparnis fĂŒr den GĂ€rtner. Statt den lĂ€rmenden MĂ€her ĂŒber den Rasen zu schieben, kann der sich im Liegestuhl zurĂŒcklehnen und das bunte Treiben im Garten beobachten.

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